FELDKIRCH.
 Den Vogel abgeschossen hat wieder einmal der Musikverein Altenstadt mit seinem Frühjahrskonzert am Samstag im Montforthaus. Wie seit Jahren machte MVA-Kapellmeister Markus Lins auch diesen Abend mit internationalen Größen wie dem Blasmusik-Guru Johan de Meij (63) als Gastdirigent und dem ARD-Preisträger Fabrice Millischer (35) als Posaunensolist zum großartigen Blasmusik-Event. Erstaunlich: Während sich die Kapelle mit Star-Trompeter Hans Gansch 2016 noch als Big Band präsentiert hatte, klang sie nun wie ein detailreich besetztes sinfonisches Blasorchester. Damit haben sich die aus viel Jugend und Amateuren bestehenden Altenstädter endgültig in die Spitzengruppe der Ländle-Blasmusik mit dem aus Profis zusammengesetzten Sinfonischen Blasorchester Vorarlberg und der Brassband Vorarlberg katapultiert. „Eine Dorfkapelle, ich weiß – aber sie spielt auf absolut professionellem Niveau. Ich bin total begeistert!“ bilanziert der international gefragte Johan de Meij diesen Abend im VN-Gespräch. Er ist als Dirigent, Komponist, Arrangeur und Posaunist eine Art Multitask-Weltmeister der sinfonischen Blasmusik aus Holland. Zwischen zwei Engagements in Manhattan und Singapur legte er kurz einen Abstecher in Feldkirch ein und leitet nun nach bloß zwei Proben einen mitreißenden Abend mit durchwegs eigenen Kompositionen und Arrangements. Voraussetzung war freilich, dass Markus Lins seine Musiker zuvor in wochenlanger Vorbereitung penibel auf diese Musik eingeschworen hat, die Früchte seiner Arbeit aber dann mit zwei Ausnahmen dem Meister persönlich überließ und sich bescheiden ins Trompetenregister zurückzog.

Bis an die Grenzen

De Meij hat seine eigenen Stücke logischerweise im kleinen Finger und kann sich so auch kleine Showeinlagen leisten. Die Musiker entwickeln rhythmische Präzision und sind mit Leidenschaft bei einer Sache, die sie auch bis an die Grenzen ihrer Möglichkeiten fordert. In de Meijs tonaler Musik stört nicht die geringste Dissonanz das Wohlbefinden jener Leute, die das so mögen, dennoch ist sie nie flach. De Meij ist ein alter Fuchs, der gerne musikalische Geschichten erzählt: etwa jene vom Zauberer Gandalf aus „The Lord of the Rings“, die er in opulenten Farben erstrahlen lässt. In einem „Downtown Divertimento“ mit Impressionen aus New York zeigt er sich als großer Melodienerfinder wie dem tollen Schlender-Thema des ersten Satzes. Auch seine Arrangements wie Ravels „Pavane“ oder ein Riverdance-Medley sind glänzend instrumentiert, auch mit Klängen wie Harfe, Klavier und Celli wirkungsvoll aufgefettet.

Zum Glanzpunkt wird der Auftritt des französischen Posaunisten Fabrice Millischer, der den Solopart in de Meijs gepfeffertem „T-Bone Concerto“ mit dem Wortspiel zwischen Trombone (Posaune) und Bone (Knochen) locker, mit klarer Tongebung und ganz ohne Kieckser bewältigt. Die Zuhörer mit viel Jugend im vollen Saal fahren auf die beiden Stars des Abends ab, zu denen sich dann Markus Lins als Dirigent der zweiten Zugabe gesellt. Nach Standing Ovations greift auch de Meij zur Posaune und spielt mit Millischer das Tempelduett aus Bizets „Die Perlenfischer“.